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11.05.2015


11. dbb bundesfrauenkongress 2015

Der 11. dbb bundesfrauenkongress 2015 fand in Potsdam vom 8. bis zum 9. Mai statt. Neben der Wahl der Geschäftsführung der dbb bundesfrauenvertretung ist richtungsweisend die Arbeit für die nächsten 5 Jahre beschlossen worden. Befürchtungen einer geringen Teilnehmerzahl wegen der Streiks der Deutschen Bahn und des öffentlichen Nahverkehrs in Brandenburg hatten sich zum Glück nicht bestätigt. Insgesamt haben am Kongress 364 Kolleginnen und 17 Kollegen teilgenommen. Die Teilnahmebedingungen wurden nicht zuletzt erschwert durch den Arbeitskampf der Erzieherinnen und Erzieher.

11. dbb bundesfrauenkongress 2015

Die Wertschätzung der Arbeit sogenannter typischer Frauenberufe ist eins der wichtigen Themen des Kongresses. Was ist uns die frühkindliche Bildungsarbeit wert? Wird der Pflegeberuf genügend wertgeschätzt? Diese Wertschätzung spiegelt sich in der Bezahlung jedenfalls nicht wieder und hier muss nachgebessert werden.
Ein anderes wichtiges Thema ist die seit den 70 Jahren im Grundgesetz verkündete Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Die gelebte Praxis sieht leider noch anders aus. Weibliche Beschäftigte im öffentlichen Dienst verdienen immer noch 7 % weniger als ihre männlichen Kollegen. In der privaten Wirtschaft sind es sogar 22 %. Die Ursachen sind vielschichtig und liegen u.a. an schlechteren Beförderungs- und Aufstiegsschanzen wegen familienbedingter Erwerbsunterbrechungen oder Teilzeitbeschäftigungen. Auch zukünftig wird sich für die bessere Vereinbarkeit von Familie (Betreuung und Pflege) und Karriere im Beruf eingesetzt. Es gilt bei der Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der Alternsversorge gerechter nachzusteuern. Hier wird immer noch ein Unterschied für vor 1992 geborene Kinder gemacht.

Der Kongress stand unter dem Motto „Erfolgsfaktor Zukunft: Frauen und Männer – gemeinsam stark“. Ein bewusst gewähltes Thema. Die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, Helene Wildfeuer, zitierte Tucholsky mit den Worten: „Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen.“ und ergänzte, dass es aber auch nicht ohne Männer ginge. Man müsse nach dem Solidaritätsprinzip „gemeinsam miteinander“ agieren. Der Bundesvorsitzende des dbb beamtenbund und tarfiunion, Klaus Dauderstädt, fügte treffend hinzu: „Zusammen sind wir die erfolgreiche Zukunft.“.

Herr Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend betonte, dass die partnerschaftliche Gleichstellungspolitik in seinem Ministerium im Vordergrund stünde. Es ist schon einiges zum Thema Gleichstellung erreicht worden. Beim Elterngeld wurde nachgebessert, der KITA-Ausbau vorangebracht und die Quotenregelung zur verbesserten Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in Kraft gesetzt. Es gibt viel Kritik zu diesem „Quötchen-Gesetz“. Mir bleibt die Zuversicht, dass „Frau“ zukünftig derartige Krücken nicht mehr braucht.

Weitere Impulse für zukünftige Veränderungen gab Frau Staatssekretärin Rogall-Grothe aus dem Bundesministerium des Innern. Die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien weiter zu verbessern. Die Beschäftigungsbedingungen müssen am Arbeitsplatz stimmen, Energien gebündelt und das Thema Gleichstellung gemeinsam angegangen werden. Es sei gut, wenn Frauenrechte von Männern erstritten werden.

Einen tollen Impulsvortrag hielt Frau Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau. Frau Mika verwies auf typische weibliche Eigenschaften. Dazu gehört u.a., dass die Geduld von Frauen sehr strapazierfähig ist. Frauen sind oft genügsamer und verzichten eher. Vielleicht sind gerade dies typische Eigenschaften, die uns im beruflichen Weiterkommen ins Hintertreffen geraten lassen? Wichtig ist aber ebenso, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Thema für Frauen und Männer ist. Erkannt ist dies schon längst in Deutschland. An der Umsetzung muss hingegen noch gearbeitet werden.

Diesen Worten kann ich mich nur anschließen. Die dbb bundesfrauenvertretung hat sich für die nächsten 5 Jahre starke Ziele gesetzt. „Frau“ und „Mann“ können hier gemeinsam Viel leisten.

(Christine Rieckmann)